Ibbenbüren - Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte: Der kernige Verteidigungsminister verschmähte die Treppe und sprang bei seinem Besuch in Ibbenbüren stattdessen auf die Bühne, wo ihn neben den drei CDU-Landtagskandidaten und dem Bundestagskollegen Dieter Jasper ein Mikrofon, ein Tisch und ein Glas Wasser erwarteten.
Das veranlasste Karl-Theodor zu Guttenberg nach wenigen Minuten seiner Wahlkampfrede gestern auf dem Markt zu einer überraschenden Beschwerde: Er hätte selten auf einer Bühne gestanden, wo auf einem so großen Tisch ein so kleines Wasser, aber kein Bier gestanden hätte, jammerte er.
Das ließen sich die Gastgeber, die CDU im Kreis Steinfurt, nicht lange sagen und organisierten ein schnelles Bier. So war der Minister wieder beruhigt, und er lobte Ibbenbüren als den „mit Abstand flexibelsten Ort, den er kennenlernen durfte“.
Aber bei allem Flachs gab es doch viele politische Themen, die der Oberfranke in seiner 38-minütigen Wahlkampfrede ansprach: Der Verteidigungsminister begründete den Einsatz in Afghanistan, betonte, dass das Land nur ein Dominostein sei, der weitere Steine zum Umfallen bringen könnte. Damit würde die Sicherheit verloren gehen, für die die deutschen Soldaten zurzeit in Afghanistan im Einsatz seien und ihr Leben riskierten.
Begleitet haben die Ibbenbürener die Rede mit viel Applaus. Nur ein Plakat mit der Aufschrift „Mörder“ bereitete Ärger und wird für vier Demonstranten wohl eine Anzeige wegen Beleidigung nach sich ziehen.
Extra aus Münster nach Ibbenbüren war Sebastian Leidinger gekommen, um zu Guttenberg dafür zu danken, dass der den Konflikt dort als „Krieg“ bezeichnet hatte. Der ehemalige Aufbauhelfer in dem Krisengebiet hat selbst entsprechende Erfahrungen gemacht und findet es gut, dass der Politiker „klare Worte“ spricht.
Ohnehin war „Klarheit“ am Donnerstagabend auf dem Ibbenbürener Marktplatz ein oft geäußertes Wort. Guttenberg betonte, dass sie Voraussetzung für eine konstruktive Politik sein müsse. Und er lobte Landesarbeitsminister Karl-Josef Laumann für seine Klarheit, weil der sich so für das Münsterland eingesetzt habe, dass Berlin „wie ein kümmerlicher Vorort von Ibbenbüren“ erschienen sei.
Die 33-jährige CDU-Kandidatin Christina Schulze Föcking war beeindruckt nicht nur von der freien Rede (zu Guttenberg: „Ich lass gerne mein Herz reden und nicht, was andere Menschen mir aufschreiben.“), sondern auch von der - öffentlichkeitswirksamen - Forderung, dass Politiker ihre Arbeit mehr als Dienstleistung verstehen müssten. Dass wolle sie im Falle einer Wahl auch so machen, versprach die Landwirtin aus Steinfurt: „So muss Politik sein.“