Im überfüllten Konferenzraum am Flughafen FMO konnte die CDU-Kreisvorsitzende Christina Schulze Föcking mehr als 120 interessierte Besucher zu einer weiteren Fachtagung begrüßen. Verkehrsminister Hendrik Wüst begeisterte die Anwesenden mit einem kompetenten und leidenschaftlichen Vortrag über die Chancen und Herausforderungen der Mobilität in NRW.

Deutlich und offen bewertete der Minister den gegenwärtigen Zustand der Verkehrsinfrastruktur in NRW: überlastet, marode, unterlassende Investitionen in den vergangenen Jahren in Straßen und Schiene!

Von den rd. 10.000 Brücken in der Verantwortung des Landes seien zwei Drittel sanierungsbedürftig, hinzu kämen einige Tausend Brücken im Schienenverkehr.
Seit dem Regierungswechsel in Düsseldorf werden jährlich rd. 100 Millionen € mehr pro Jahr in die Verkehrsinfrastruktur investiert: 1,5 Mrd. € in diesem und im nächsten Jahr, nahezu ebenso viel in das Schienennetz. In den nächsten 10-15 Jahren müssen allein in NRW rd. 20 Mrd. € in die Sanierung der Verkehrsinfrastruktur und zusätzlich 10 Mrd. € bei der Bahn investiert werden.. Hinzu kommen jährlich rd. 47 Mio. € in den Neuausbau von Landesstraßen und die gleiche Summe pro Jahr für den Radwegeausbau. Hier geht es vor allem um Umgehungsstraßen, damit die Verkehrssicherheit und Lebensqualität in Orten gesteigert werden, die unter dem täglichen Verkehr leiden.

Da Vollsperrungen von Straßen für die notwendige Sanierung kaum noch möglich sind, habe er eine neue Stabsstelle für die Baustellenkoordination gebildet, damit nicht parallel laufende Verkehre durch gelichzeitige Baustellen vermeidbare Staus erzeugen.

Es sei ein großer Fehler gewesen, dass in den letzen Jahrzehnten 5000 km Schiene demontiert worden seien. Wüst sprach sich klar für die Reaktivierung von Bahnstrecken auch im Kreis Steinfurt (z.B. Tecklenburger Nordbahn) aus. Der ÖPNV und SPNV muss auch im ländlichen Bereich deutlich gestärkt werden. Pro Jahr würden nun 100 Mio. € in Schnellbuslinien investiert. Die Unübersichtlichkeit der Tarifstruktur muss verbessert, die Buchungsmöglichkeiten erleichtert und die Preisstruktur attraktiver werden. Der Minister sprach sich aber deutlich gegen einen kostenlosen ÖPNV aus, das sei im ländlichen Bereich unbezahlbar. Außerdem könne in den nächsten zwei Jahrzehnten nicht auf Autos verzichtet werden. Der Minister sieht große Chancen in der Digitalisierung, weil sie erhebliche Veränderungen in der Mobilität ermögliche.

Landrat Dr. Klaus Effing berichtete über sehr konkrete Maßnahmen, die im Kreis Steinfurt geplant sind:
+ Zweites Gleis für die Bahnstrecke Münster-Enschede, zunächst in Altenberge und Nordwalde, möglichst auf der Gesamtstrecke;
+ Elektrifizierung der Strecke Münster – Enschede;
+ Einführung des 20-Minuten Taktes und Weiterführung bis Zwolle;
+ Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn;
+ Zusätzliche Nahverkehrsverbindungen zwischen Münster und Osnabrück, insbesondere auch nachts;
+ An den Wochenenden mehr Nachtverkehrsverbindungen zwischen Rheine und Münster;
+ Umsetzung des 3.Nahverkerhsplanes mit jährlich + 450.000 Fahrkilometern;
+ Bau neuer Mobilstationen zur besseren Vernetzung der Verkehrsträger
+ Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur für E-Autos;
+ Projekt „Grüner Wasserstoff“ um alternative Antriebstechniken zu nutzen;
+ Erweiterung dees Radverkehrsnetzes, Bau des Triangel Radwegen von Rheine – Steinfurt – Metelen – Ochtrup – Wettringen – Neuenkirchen – Rheine;
+ Neue Ideen und Initiativen durch das Reallabor Münsterland beim ZVM;
+ Nutzung er Digitalisierung zur Optimierung der Informationen über die vorhandenen Verkehrsangebote und Tarife

Flughafen-Geschäftsführer Prof. Rainer Schwarz bezeichnete den FMO als Einrichtung für die Region, die für ein Einzugsgebiet von 3,3 Mio Menschen die Verbindung zu Zielen in aller Welt schaffe. Nach dem Tiefpunkt im Jahr 2016 sei es inzwischen gelungen, die Passagierzahlen wieder auf 1 Mio. Fluggäste zu steigern, trotz Insolvenz von Air Berlin und Germania. Wichtigster Carrier ist nach wie vor die Lufthansa mit fast 370.000 Fluggästen pro Jahr. Sie fliegt mehrfach am Tag die Drehkreuze in Frankfurt und München an.

Der FMO habe 1300 direkte Arbeitsplätze und insgesamt 2900 Arbeitsplätzen in der Region geschaffen. Die Wertschöpfung in der Region durch den Flughafen beträgt rd.. 180 Mio. € pro Jahr. Der FMO generiert ca. 32 Mio € Steueraufkommen und ist für die wirtschaftliche Entwicklung der Region weiterhin von großer Bedeutung. Prof. Schwarz erläuterte dem interessieren Publikum auch die von ihm befürchteten negativen Auswirkungen einer erhöhten Luftverkehrssteuer.

In der lebhaft geführten Diskussion, die von Christian Schulze Föcking moderiert wurde, kamen zahlreiche Punkte zur Sprache: Radverkehrsverbindungen und ÖPNV über die Landesgrenze zu Niedersachen, neue Flugdestinationen vom FMO, Verkehrssteuerung durch Digitalisierung, Bahnstrecke Münster – Enschede und teilweise auch örtliche Verkehrsprobleme.
Für den CDU-Kreisverband Steinfurt war es bereits die 8. erfolgreiche Fachtagung in den vergangenen 24 Monaten mit insgesamt mehr als 1200 Teilnehmern.

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